
Die Herausforderung der gegenwärtigen Krise globaler Macht zeigt sich nicht mehr nur in den kriegerischen Brennpunkten Westeuropas (Ukraine) und Westasiens (Iran). Eine Konfliktlage in Ostasien (Taiwan/Japan/Korea) steigert sich zunehmend hin zu einem ‚neuen‘ kriegerischen Brennpunkt. Angeregt von einer Diskussion zwischen Colonel Larry Wilkerson und Glen Diesen (Diesen-Chanel auf YouTube) versuche ich den Faden aufzunehmen und zu entrollen.
Wilkerson bleibt im unipolaren Denken verhaftet, er wendet vornehmlich die „Dog-Fight“ Theorie an: die vom Hegemon inszenierten Kriege werden in Form von „Dog Fights“ geführt; sie sind uns heute als „Proxi-Kriege“ bekannt. Die aktuellen Brennpunkte lassen sich unter dieser Rubrik in Variationen kennzeichnen: 1. Die europäische Nato führt den Krieg in der Ukraine als Krieg gegen Russland; 2. Der Krieg gegen den Iran ist im Grunde ein Krieg gegen China; 3. Die Konfliktlage gegen China ergänzt und erweitert sich dadurch, dass aus dem 2. Weltkrieg erwachsene Konflikt-Konstellationen in Rand- oder Nachbarstaaten zu China militärisch aufgeheizt werden.
Was geschieht also?
1. Russland wird den Krieg in der Ukraine beenden, wenn er gewonnen ist. Der Hegemon wird sich zurückziehen. Europa wird sich selbsttätig arrangieren müssen: offenes Spiel.
2. Iran wird zum Hauptgegner. Der Einsatz von Atomwaffen ist geplant. Wilkerson: auch ein nuklearer Krieg ist nicht zu gewinnen.
3. China könnte geschwächt werden, ist aber nicht zu besiegen. Der Hegemon muss sich selbst reorganisieren: mit Friedens- und Klimawandel-Politik soll ein neues, verträgliches Gesicht seiner globalen Erscheinung neuen Glanz verleihen.
Nachteile: a) Ausblendung der Fragen des kulturellen Erbes (imperiale gegenüber Zivilisations-Staaten b) Klassen, Finanzen, Internationale Organisationen c) Vasallen und Allianzen.
Für Europa und Ostasien produktiv, aber auch für viele Staaten des ‚globalen Südens‘ steht die Frage: Warum ziehen es Staaten und Regionen mit den meisten ihrer Menschen vor, in Formen der historisch gewachsenen Strukturen zu denken, Souveränität aufzugeben, Bindungen einzuhalten und zu pflegen, - wider alle Vernunft ihrem Gewohnheitsbewusstsein frönen - auch dann, wenn es ihren praktischen Interessen widerspricht?
GS