Adornos Staatsraison als zersplitterte Theorie.

(FAZ Mittwoch, 15. April, Seite N 4)

Wer heute seinen Erfahrungshaushalt gegenüber GAZA auf die Verlautbarungen von Bibi Netanyahu und seiner Regierung zum Ereignis vom 7. Oktober 2023 beschränkt, (und gar noch mit dem Imperativ des ethnischen Primats des Horrors der Dinge, die von 1942-1945 passierten hantiert) kennzeichnet sich selbst als ein treuer Hüter der Politiken der Staatsraison der Bundesrepublik. Man mag dazu stehen, wie man will, noch schwebt das Phantom des 1st Ammendment in den Lüften der Provinz. Nur vielleicht könnte man nun selbst ehrlicherweise darauf verzichten, Adornos Kritische Theorie als die wirkliche Staatsraison zu vereinnahmen. Man hat dafür in Frankfurt lange Jahre gearbeitet, und die Theorie als Kritik zu Kleinholz gehackt. Auch wird man nicht ruhen, die Streitwächter aufzurufen, wenn Stimmen aufkommen, die die endlosen Hügel aus Pulverstaub von Leichen und Zement nicht aus ihrem Bewusstsein verdrängen wollen. Warum sollte ein australischer Jude nicht von der galaktischen Bedeutung von Gaza und den Folgen reden dürfen? Der Ganze Adorno, Die Minima Moralia (Gesammeltes zur Privatraison) schwimmen von dannen, die Konnektive der Verschwörungstheorie kommen auf. Der Ernst von Erfahrung und Begriff verschwindet in den Flammen der Bibliothek. Was Adorno an Hans-Jürgen Krahl so sehr, ja, auf fatale Weise erschütterte, ist nicht dessen Kritik an mangelnder Politischer Praxis, sondern die unversöhnliche, ja, zynische Art, in der er seinen gealterten Lehrer und Freund hinterrücks angegriffen hatte. Verrat! Schrittweise wurde Adorno sich auch bewusst, wie sehr er selbst Paul Celan verletzt hatte, und er arbeitete auf Verständigung hin. Beruhigend sind auch die Zeichen der Achtung, die er den „Reaktionären“ wie etwa Doderer oder gar auch Klages entgegenbrachte. So auch hat in Frankfurt das „romantische“ Engagement für den Aufbau des ‚Orientalischen Seminars‘ um sich gegriffen, obwohl Hellmut Ridder (dessen Bibliothek Max und Theo aus Istanbul erworben hatten), sich nun wirklich kläglich anti-semitisch verhielt, als der Ruf an Adorno erging, in quasi öffentlicher Fakultätssitzung: Muss man denn heutzutage wirklich ein Jude sein, um hier einen Lehrstuhl zu bekommen? Oder so.  Nie aber gaben Max und Theo ihre Anerkennung für die Einrichtung dieses Seminars auf, obwohl das auf den entleerten Stuhl von Ritter gesetzte Kleinemännchen, doch nur mit Vorislamischer Wüstenpoesie herumhampelte. Und wer kam mit RK-Vergangenheit und Turnschuhen als Minister ans Pult? Er verschwand schwebend in den Höhen der neuen Geo-Politik – Ukraine. Möllemann hatte nichts mit Frankfurt zu tun, aber mit Beirut! Können wir Faßbender in Frankfurt vergessen. Und wer spricht im Fall der persischen Schulkinder von Opfern und Täter?

Ja, Frau Angela Witter (?), vielleicht waren sie damals schon unter den „Weibern“, die Adorno gerne ans Messer der Öffentlichkeit geliefert hätten? Die Verwischungen der deutschen Staatsraison (i.e. collect, collect, it’s only to connent!). It’s endless in Frankfurt! Aber ist man von hier vielleicht bereit zu verstehen, wie wenig es dem Adorno (Musik, Poesie, Philosophie, moralisch ist, wenn man moralisch ist… Hoppes und Äbbes) um den Gehalt der Staatsraison als Wert an sich überhaupt ging? War er denn nicht ein Aristokrat der „Privatraison“?

Maurice E. Stroughton

Der Vantage Point World-Verlag wurde im Februar 2012 gegründet. Unser Interesse gilt den aktuellen und den historischen Formen des Zugangs zur Welt: Reisen, Kunst und Kultur. „Common Ground“ - das von Gemeinsamkeiten und Differenz geprägte Terrain, das als ästhetische, als individuelle und als politische Bewusstseinserweiterung erfahren wird: weltoffen und grenzüberschreitend.
Zurück 
für weitere Informationen kontaktieren Sie uns bitte
info@vantagepointworld-verlag.com
Impressum | Datenschutz
© 2026 Vantage Point World-Verlag
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram