HANNAH ARENDT

Es handelt sich um den geistigen und politischen Rang einer Frau. Ich erinnere mich daran, dass mich vor langer Zeit ein palästinensischer Soziologe in Australien auf eine 1948 erschienene Anzeige in der New York Times hingewiesen hat. Ich hatte das über die Jahre verdrängt und fast vergessen. Ein Öffentlicher Brief, der sich – wie ich erinnerte – gegen die Rolle einer terroristischen Gruppe bei der Gründung des Staates Israel richtete. Er war u.a. von Albert Einstein und Hannah Arendt unterzeichnet. Sie war damals eine 42jährige Professorin an einer New Yorker Universität. Dass sie hier mit Namen unter einer Reihe von z.T. berühmten jüdischen Intellektuellen figurierte, war für ihre weitere Karriere nicht unbedeutend. Wie ich jetzt herausfand, will es der Zufall, dass der Aufruf/Brief in der NYT am 4. Dezember 1948 erschienen war, vor genau 77 Jahren. Das Feuilleton der F.A.Z. gedenkt Hannah Arendt an ihrem 50. Todestag, dem heutigen 4. Dezember, mit einer Besprechung von vier Biographien der Philosophin durch Wolfgang Matz, sie sind älteren und jüngeren Datums.

Dass Wolfgang Matz “das oft ermüdende Tremolo kritikloser Verklärung bei ebenso oft spärlichem Tatsachenbezug“ bedauert, ist ein löbliches Verdikt, das man allerdings nun auch ihm und seinem meistgelobten Biographen Willi Winkler zumindest in puncto „Verklärung“ selbst vorhalten muss. Das Faktum der Existenz und Bedeutung des Brief-Aufrufs gegen die wichtigste an der Staatsgründung Israels beteiligte Terrorgruppe wird von allen Biographen, auch von Herrn Matz, entweder bewusst weggedrückt oder eben einfach nicht erkannt. Die Brisanz des Stoffes liegt jedoch gerade in den vergleichbaren Spannungen auf der Hand, die das Verhältnis von Israel zu den USA gegenwärtig erschüttern.

Es wird den auf seine Professur noch harrenden Biographen Willi Winkler einigen Mut kosten, sich des Stoffes anzunehmen.

Hier ein Hinweis auf den Anfang des Briefes, in dem gesagt wird, dass philosophisch und politisch gesehen, das Auftauchen der Likud und anderer an dem Massaker von Deir Yassin beteiligter Gruppen, die sich nazistischer und faschistischer Methoden bedienten, zu einem der erschütterndsten Phänomene unserer Zeit (1948 sic!) geworden sei…Leider stehen mir im Ruhestand die Archive nicht mehr zur Verfügung, wohl aber jungen Wissenschaftlern im Dienst. Es bedarf also das, was hier gesagt wird weiterer Prüfung. 

Wahrlich wir leben in finsteren Zeiten, und schwer natürlich ist, wenn man sich vor weiterer Wahrheitssuche drücken muss. Bei aller gebotenen Vorsicht aber, wer sich frei und straff über Motive im Denken Hannah Arendts äußern will, wird m.E. an diesem Faktum nicht vorbeikommen. Vielleicht wird hier sogar Wolfgang Matz zustimmen.
PS. Ich habe mich einer Plattform der AI bedient, die Fakten und Copyright Frage ist aber hinreichend geklärt. 

gs

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