Notiz: Von China lernen-Kalender Post 28-3


Im Nachgang zu Lenk-2 scheint mir die folgende Anmerkung wichtig:

In der heutigen Ausgabe der FAZ spricht Herr Oliver Blume, seines Zeichens CEO des Volkswagen KONZERNS über China. Er ruft uns zu: von China lernen! Er hat all sein Wi“ssen im Kopf, das ihm in China noch jung in Studium und Beruf zugeflossen war: über Wissenschaft, Technik und Fortschritt neuer Glanz in China. Bemerkenswert! Mir fällt auf – ich muss es sagen – wo bleiben denn Ursprung und Geschichte von VOLKSWAGEN? War das nicht auch eine Art von asymmetrischer Entfaltung von Massenproduktion, „Käfer“ man denke, im Verhältnis zu Amerikas FORD, Cadillac u. a. War es nicht dieses asymmetrische Beginnen, ein Neuanfang aus dem Kleinen gegenüber den Großen aus Amerika?
Zu China ist mir eine aufregende Lektüre in Erinnerung, wenn auch nur noch vage: Die drei Sprünge des Wang-lun, ein Roman von Alfred Döblin: die furiose Beschreibung einer Massenbewegung und ihres Führers, die auf langen Wegen durch weite Landschaften und Kommunen das große Machtzentrum umgehend bis hin nach Peking das Land revoltierte. 1915 aus der Zeit fallend: Tiefe Einsichten in Leben und Werk der Massen in China. Ich habe den Roman nur vage in Erinnerung, ihn aber – berechtigt oder nicht – als die intrinsische Geschichte des LANGEN MARSCHES von MAO TSE TUNG mit seiner Partei gelesen: der Marsch aus drohendem Untergang über alle Landschaften Chinas hinweg. Von einem Bauernvolk lernend ins Zentrum der Macht.
Ich möchte Herrn Blume nicht zu nahetreten, sicher kennt er diesen Döblin-Roman: Für mich - romantisch angehaucht, wie meine Genereation – war er ein Stück deutsch-chinesischer Kulturgeschichte.
Jetzt leben wir aber in einer neu gewendeten Zeit, und da ist viel von einer Art unberechtigt erscheinenden asymmetrischen Form der Kriegführung eines ehemaligen Dritte Welt-Landes und seinem iranisch-islamischen ‚Regime‘ die Rede: auch hier ein erfolgreicher Sprung aus der Marginalität, so scheint es, die überraschende Resilienz im Kampf gegen wissenschafts-technisch hoch gerüstete Mächte: Israel und die Vereinigten Staaten. Man kann das übersehen, aber vielleicht gibt es auch hier etwas zu lernen. Vielleicht könnte auch hier etwas passieren, von dem zu lernen wäre: vielleicht ein neuer Umgang mit den „Massen“ in unserer Gesellschaft, im Auto-Bau und anderswo.
Vielleicht ist es für Imitation und Simulation von chinesischem Licht und Glanz schon zu spät, vielleicht ein Neuanfang, wenn‘s hilfreich wäre, mit Sicherheit nicht auf dem Fahrrad? Vielleicht eine digital-elektronische Ameisen-belebte Knatsch Kiste, wenn’s beleibt?

GS

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